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Fürsorgliche Menschen leben glücklicher

Familie: Erbgut und Kindheit entscheiden weniger über Zufriedenheit als angenommen Menschen können ihr Glück selbst in die Hand nehmen - sie sind nicht die Sklaven ihrer Gene. Das hat eine Auswertung von Fragebögen Zehntausender Menschen aus 25 Jahren ergeben. Egoismus schadet demnach der eigenen Zufriedenheit. Andere Faktoren verbessern das Befinden.

(DPA) Berlin - In den neunziger Jahren gab es einen Wandel in der Psychologie. Immer mehr Wissenschaftler glaubten, dass Zufriedenheit wesentlich vom Erbgut beeinflusst ist. Glück sei ein genetisch bedingter Charakterzug, der in der Kindheit geprägt wird und lebenslang weitgehend konstant bleibe. Eine neue Studie widerspricht nun der vorherrschenden Theorie: Jeder Mensch kann demnach sein Wohlbefinden durch private und berufliche Entscheidungen dauerhaft beeinflussen.

Eine gute Partnerschaft, soziales Engagement, Freundschaften - solche Faktoren sind einer deutschen Langzeitstudie zufolge der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Das berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Der Studie zufolge hängt Zufriedenheit weit weniger von den Genen ab als bisher vermutet. "Zu versuchen, glücklicher zu werden, galt lange Zeit als ebenso aussichtsreich wie zu versuchen, als Erwachsener noch größer zu werden", sagt Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Unsere Studie widerlegt dieses Bild."

Christen und Muslime ähnlich

Die Forscher um Wagner werteten die weltweit größte Langzeitstudie zu Zufriedenheit aus. Darin beantworteten Zehntausende Bundesbürger über 25 Jahre Fragen zu ihrem Leben. Resultat: Wohlbefinden ist keineswegs ein stabiler Charakterzug, sondern hängt maßgeblich von den Lebensumständen ab. Wichtig sind vor allem fünf Bereiche: Partnerschaft, Lebensziele, soziale Kontakte, Lebensstil, Religiosität und das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit.

Beispiel Partnerschaft: Wichtig ist der Studie zufolge vor allem die emotionale Stabilität des Partners. Die Beziehung etwa zu einem neurotischen Menschen dämpft demnach die Lebensfreude empfindlich.

Weiteres Resultat: Uneigennützige Menschen, die sich sozial oder politisch engagieren, leben glücklicher als Personen, die die eigene Karriere verfolgen und nach materiellen Zielen streben. Dies erklärt vielleicht, warum auch religiöse Menschen generell besser gestimmt waren - unabhängig davon ob es sich um Christen oder Muslime handelte.

Freunde machen froh

Weniger überraschend ist dagegen, dass soziale Kontakte die Lebensqualität steigern. "Menschen sind am zufriedensten, wenn sie von Freunden umgeben sind", sagt der an der Untersuchung beteiligte Soziologe Bruce Headey von der Universität Melbourne. Die Ergebnisse unterstreichen laut Wagner, wie wichtig soziale Ziele für ein gutes Leben sind. "Und sie bestätigen, dass zu viel Egoismus und rein ökonomisches Wachstum einer Gesellschaft nicht guttun", sagt er.
Allerdings schränken die Forscher ihre Resultate etwas ein: Zwar beeinflusse die Lebenssituation die Zufriedenheit, aber umgekehrt wirke sich die Stimmung eines Menschen auch auf seine Entscheidungen aus: So falle es etwa depressiven Menschen schwer, soziale Kontakte zu pflegen oder regelmäßig Sport zu treiben.

Dennoch stimmt das Resultat die Forscher optimistisch: "Wir sind keine reinen Sklaven unserer Gene und frühkindheitlicher Prägung", betont Wagner. "Das sollte allen zu denken geben, die uns weismachen wollen, alles sei genetisch determiniert."

boj/dapd